Michis Monstermarsch - Noch 56 Tage

Dann lauf ich eben zur Arbeit!

Ein Gefühl von Freiheit nach Weimar
Ein Gefühl von Freiheit nach Weimar
Autor: Michael Sieß | Datum: 13.04.2018
Mist! Weniger als zwei Monate sind's nur noch zum großen Marsch - jetzt muss ich wirklich jede Gelegenheit zum Trainieren nutzen. Dann lauf ich eben mal zur Arbeit...

Auf Facebook begegnen einem neuerdings immer Bilder von Lauch, also wirklich von dem Gemüse, in verschiedenen alltäglichen menschlichen Situationen. „Der Lauch vor dem Fernseher" oder „Der Lauch auf der Sonnenliege", drunter steht dann: „Markiere einen Freund, der das sein könnte." Ich sag mal so: ich werd da drunter viel zu oft verlinkt. Das muss sich mal ändern!

Deswegen wandere ich mit. 100 Kilometer in 24 Stunden – die Horizontale rund um Jena. Mein Lauch-Image soll weg! Gut okay, hinzukommt, dass meine Freundin das gern machen wollte und ich steck da jetzt irgendwie plötzlich mit drin. Jetzt hab ich den Salat. Aber trotzdem bin ich nun vom Ehrgeiz gepackt und will's auch packen! Sicherlich wird das eine Erfahrung, bei der ich an meine Grenzen kommen werde und kommen muss.

Klar ist auch: ganz ohne Vorbereitung geht's nicht.Meinen Arbeitskollegen hatte ich ja bereits vonmeinem geplanten Monstermarsch erzählt. Die Reaktionen waren – naja ich sag mal – verhalten. Das war Grund genug für mich, ihnen mal zu zeigen, dass ich's wirklich ernst meine. Ohne Witz: dann laufe ich eben zur Arbeit. Genau das hab ich heute gemacht. Ich wohne in Jena, nach Weimar zur Arbeit sind's um die 25 Kilometer. „Das ist gleich ein gutes Training", hab ich mir gedacht. Also bin ich frohen Mutes kurz vor 6 aus dem Haus und los gelaufen. Mist, das frühe Aufstehen hatte ich nicht bedacht... Müdigkeit vor einer längeren Wanderung ist jedenfalls nicht das Allerbeste.

Im Gegensatz zu meinen anderen Vorbereitungstagen hat das Wetter dieses Mal aber wenigstens mitgespielt. Auch wenn für Vormittag Regen angesagt war, blieb ich davon weitestgehend verschont. Höchstens ein paar Tröpfchen sind meine Stirn runtergelaufen, wo ich mir noch immer nicht ganz sicher bin, ob es Schweiß oder Regen war. Viel nerviger war jedoch dieses Mal, dass ich meine Taschentücher vergessen habe. Und die Nase lief und lief und lief... So viel zum appetitlichen Teil.

Route zur Arbeit

Während meiner Wanderung hat sich dann auch ein kleiner Kieselstein oder so in meinem rechten Schuh eingenistet. Kennt ja jeder: da hat man was im Schuh, zieht den extra aus, schüttelt alles durch und... alles ist genauso wie vorher. Naja, gibt Schlimmeres, eine Pause wollte ich nicht machen. Weiter ging's! Ich wollte ja auch nicht allzu spät auf Arbeit ankommen, sodass meine Kollegen zumindest ein Fünkchen überzeugter von mir sind, was dann den Monstermarsch im Juni angeht. Ein bisschen schlammig war's auch, aber das hielt sich in Grenzen. Und verdammt, aber in Hammerstedt (wer kennt es nicht!) gab es gar kein Netz. Kurz war ich von der Welt abgekapselt, aber irgendwie war genau das auch mal wieder sehr schön. Ganz ehrlich: man sollte viel öfter einfach mal das Smartphone wegwerfen. Schlimm genug, dass einem die paar Minuten ohne Netz schon aufregen. Doch so hatte ich immerhin einen 10-minütigen Kurzurlaub in meinem neuen Lieblingsdorf Hammerstedt. Es war richtig idyllisch.

Nach Hammerstedt ging's dann noch quer Feld ein, an Ackerbauflächen vorbei mit tolle

m Blick immer vorwärtsgewandt auf Weimar. Wenig Bäume, einfach nur freie Flächen. Da kam ein bisschen das Gefühl von Freiheit in mir auf. Kurz wurde ich langsamer bis ich stehen blieb. Nach meiner kurzen geistigen Abwesenheit wurde mir klar, dass ich ja doch noch auf Arbeit muss. Nur hat's dann noch ganz schön gedauert bis Weimar endlich näher kam. Auf jeden Fall hab ich's auch dieses Mal geschafft. Es „läuft" sozusagen! ;)

Vor drei Wochen hätte ich mich wahrscheinlich selbst als untrainierten Lauch bezeichnet. Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten: ich bin ein trainierter Lauch!