Michis Monstermarsch - Noch 69 Tage

Ich hab Hunger!

Bäume auf dem Wanderweg überwunden!
Bäume auf dem Wanderweg überwunden!
Autor: Michael Sieß | Datum: 31.03.2018
Exakt zwei Wochen ist's her: da ist der Lauch (also ich) zum Stock geworden. Auf dem Weg von Jena nach Weimar verkrampften meine Beine und es ging nichts mehr. 14 Tage später soll's besser - im wahrsten Sinne des Wortes - "laufen".

Ostern ist angesagt und vor ein paar Tagen ging's in Thüringen sehr stürmisch zu. Ganze Wälder wurden entfichtet. Entsprechend sah es dann auch teilweise in den Wäldern aus. Aber von Anfang an...

Ein schönes Osteressen gibt's heute bei meiner Oma. Eigentlich wär's ja ganz cool, mit dem Auto zu kommen. Denn es hat die ganze Nacht geregnet. Alles ist nass, matschig - richtig schön eklig eben. Aber leider war da ja was: ich muss trainieren. Denn Anfang Juni will ich die 100 Kilometer lange Horizontale rund um Jena wandern und auch schaffen. Sicher werde ich da an meine physischen und psychischen Grenzen stoßen, aber genau das reizt micht paradoxerweise auch an diesem Lauch, äh, ich meine Lauf. Aber apropos: Lauch werd ich ja öfter genannt, weil ich ein recht schlanker Kerl bin mit recht wenig Muckis. Das Image muss oder will ich jetzt auch endlich loswerden!

Heute sind meine moralische Stütze, die mich manchmal tatsächlich stützen muss (also meine Freundin) und ich nach Schleifreisen gewandert. Das liegt beim Hermsdorfer Kreuz - ist gut 24 Kilometer von unserem Zuhause in Jena entfernt. Naja: normalerweise. Irgendwie kamen am Ende 30 raus – zwei Mal falsch gelaufen. Yeah! Ich schieb's mal auf die Ausschilderung. Die ließ echt zu wünschen übrig. Also es gab quasi keine. Okay – das könnte auch daran liegen, dass da gefühlt nur einmal in drei Monaten jemand lang läuft. Trotzdem war das jetzt nicht gerade "super".

Der Weg war schön schlammig. Leider hab ich kein Bild von meinen Schuhen danach gemacht. Die waren braun, komplett. Eigentlich sind sie blau mit neongelber Schrift, davon hat man dann nur noch partiell was gesehen. Das Gute war, dass wir so einen mehr oder weniger kräftezehrenden Weg ja vom tiefen Schnee vor zwei Wochen gewohnt waren. Im Nachhinein kann ich sagen: lieber Schnee als Schlamm. Das war teilweise eine einzige Rutschpartie.

Hinzu kam, dass durch die Sturmschäden der letzten Wochen überall in den Wäldern noch Bäume kreuz und quer auf den Wanderwegen lagen. Deshalb mussten wir dann doch ab und an den offiziellen Wanderweg verlassen. Die Warnung in den Wald zu gehen war da schon gut eine Woche her, also eigentlich war alles wieder freigegeben. Aufpassen mussten wir trotzdem. Letztlich hat ja auch alles geklappt.

Und ich muss ehrlich sagen: ich bin stolz. Nach der ersten Wanderung mit meinen Krämpfen habe ich schon Schlimmes erwartet, aber dieses Mal haben meine Beine super mitgemacht. Ich bin begeistert! Auch wenn's verdammt schlammig durch den Regen war und die Wolken tief hingen: es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, wenn man beim Wandern einen unglaublichen Kohldampf bekommt. Ich hab Huuunger!

Route von Jena nach Schleifreisen

Das klingt zwar eher belanglos, kann aber bei so einer längeren Wanderung echt zum Problem werden. Dieses Mal verkrampften deshalb dann nicht meine Beine, sondern mein Bauch. Ganz toll. Denn ich musste zusätzlich noch die ganze Zeit an das leckere Essen von Oma denken, was mich im Ziel erwartet. Aber gut: das war dann eben auch mein persönlicher Anreiz durchzuhalten.

Als ich meiner Oma und meinem Opa von der 100 Kilometer-Horizontale erzählt habe, waren die Reaktionen - naja - verhalten. Mein Opa hat dazu nichts gesagt, meine Oma schaut mich ungläubig an. Komisch: meiner sportlichen Freundin trauen sie es zu, doch mir nicht. Gut, irgendwie kann ich es ja verstehen. Ich war noch nie der Wander-Typ. Als Kind habe ich flennend "NEEEEEEEIIIIN!" geschrien, wenn es mal 5 Kilometer hoch auf eine Burg gehen sollte. Naja, jetzt sieht's ja anders aus.

Wanderung geschafft - und geschafft bin ich auch. Trotzdem habe ich mich jetzt auch dazu entschlossen, wieder regelmäßig im Sportverein aufzukreuzen. Der Lauch entwickelt sich langsam zum Zucchini.