Michis Monstermarsch - Noch 25 Tage

Okay, jetzt hab ich ein Problem

Die Ausblicke entlohnen alles
Die Ausblicke entlohnen alles
Autor: Michael Sieß | Datum: 13.05.2018
Letzte Woche musste ich auf der Rennsteigwanderung aufgeben. Meine Beine konnten nicht mehr. Dieses Mal sollte es besser werden. Und das wurde es auch – jedenfalls teilweise.

Jetzt sind's nur noch knapp drei Wochen, dann steht der lange Marsch bevor, 100 Kilometer rund um Jena. Mein Training geht weiter. Dafür sind meine Freundin Jule und ich dieses Mal einfach von Zuhause aus los (wir wohnen in Jena) und die Horizontale entlang. 40 Kilometer war unser Mindestziel und das Positive vorweg: das hab ich geschafft.

Ein paar Tage zuvor war ich an der Uniklinik in Jena und hab mich von Dr. Norman Best mal rundum durchchecken lassen. Das Ergebnis: ich bin ein kurzer, schräger Typ. Gut, das war mir auch vorher klar. ;) Doch das bezieht sich mehr auf meinen Körperbau. Eine meiner Schultern sitzt tiefer als die andere – gut, das war mir auch schon aufgefallen – und meine Beinmuskulatur ist verkürzt. Klingt jetzt erstmal schlimm, ist es aber nicht. Das kann ich mehr oder weniger behandeln bis zum großen Marsch. Mein Problem liegt woanders.

Das, was mir schon vor einer Woche aufgefallen war, ist mein rechtes Knie. Keine Ahnung, was da los ist, aber das schmerzte nach einiger Zeit recht heftig beim Abstieg. Herr Best stellte auch eine eher ungewöhnliche Laufhaltung bei mir fest, vor allem, was mein rechtes Bein angeht. Wahrscheinlich könnte das der Grund für die Schmerzen sein, eine Fehlbelastung. Das Doofe ist, dass die 100 Kilometer-Wanderung nicht mehr weit weg ist und mein Knieproblem gestern bei den 40 Kilometern schon wieder auftrat. Nach nur 14 Kilometern hab ich's schon mächtig gemerkt – wahnsinnig schnell kam ich dadurch nicht mehr bergab.

Trotzdem wollte ich die 40 gut durchziehen und das haben wir dann auch gemacht. Nur musste ich die Zähne richtig zusammenbeißen, denn mein Knie hat mir wirklich Schmerzen bereitet. Jetzt also die zweite Wanderung in Folge. Ob das normal ist, bezweifle ich langsam. Alles andere scheint mittlerweile gut trainiert. Denn ich hätte sicherlich besser durchgehalten, wenn das mit dem Knie keine Umstände gemacht hätte.

Wieder ein schöner Blick

Auch heute – einen Tag später – habe ich nur einen kleinen Muskelkater. Mein Körper scheint sich langsam an die Belastung gewöhnt zu haben. Wenn da nur nicht das Knie wäre. Okay, jetzt habe ich ein Problem. Denn wenn ich das nicht in den Griff kriege, dann kann ich bei den 100 Kilometern wohl spätestens nach der Hälfte einpacken. Das macht meine Vorbereitung nun nicht gerade leichter. Trotzdem haben sich die Mühen gestern echt gelohnt. Wir hatten tolles Wetter - die Ausblicke in die Landschaft waren echt irre. Egal wie schmerzhaft es manchmal sein kann, im Kopf bleiben am Ende diese Bilder. 

Schön war auf jeden Fall auch, dass meine Freundin mir ein Kompliment machte. Jedenfalls glaube ich, dass das eins war. „Wow, man sieht ja jetzt deine Wadenmuskulatur", hat sie gesagt. Nachdem ich mich jetzt seit fast 3 Monaten vorbereite, wird's ja auch Zeit! Jetzt hab ich Monsterwaden! Ich bin begeistert ;)

Trotzdem wird jetzt erstmal wichtig sein, meine Muskulatur am Knie zu stärken, den richtigen Laufstil zu finden und weiter zu trainieren – vielleicht sogar mit Stöcken zu wandern, um die Stabilität auszubauen. Und auch um den Orthopäden komme ich vor meinem Monstermarsch wohl kaum herum. Doch eine Alternative bleibt mir da gerade nicht, sonst sind die 100 Kilometer utopisch.