Michis Monstermarsch - Noch 11 Tage

Der Lauf meines Lebens: Joey Kelly hilft

Joey Kelly auf einer seiner Mega-Touren
Joey Kelly auf einer seiner Mega-Touren
Autor: Michael Sieß | Datum: 28.05.2018
So langsam aber sicher wird’s ernst. Nur noch wenige Tage bis zum großen Marsch und das Training läuft. Hilfe bekomm ich jetzt sogar von einem, der’s wissen muss: Joey Kelly.

Ganz ehrlich: so fit wie jetzt war ich seit einem Jahr wohl nicht mehr. Das Training scheint zu helfen. Mein Problem ist und bleibt jedoch mein rechtes Knie. Alles andere scheint gut zu gehen, doch das schmerzt nach einer gewissen Zeit immer wieder. Gestern ging's zusammen mit meiner Freundin wieder auf Wanderschaft – 7 Uhr war Start.

Schnell hab ich gemerkt, dass das Knie sich zurückmeldet. „Mist, heute schaff ich kaum was", war mein erster Gedanke. Nach gut 15 Kilometern wollte ich schon aufgeben. Komischerweise hab ich danach aber „locker" gelassen, mich nicht so sehr auf mein Knie versteift und plötzlich lief's wieder ganz gut. Am Ende haben wir entgegen meiner Erwartung doch um die 40 Kilometer geschafft. Klar ist aber auch, dass das nicht mal die Hälfte meines kommenden Monstermarsches ist und meine Beine trotzdem verkrampften. Bis zum 8. Juni muss ich jetzt zusehen, dass sich mein rechtes Knie wieder beruhigt und ich mit voller Kraft starten kann. Sonst – da bin ich ganz ehrlich – wird's unglaublich hart. Gut, wird's auch so, aber so um ein Vielfaches mehr.

Jetzt, wo es langsam ernst wird, brauch ich jemanden, der mir da noch ein paar entscheidende Tipps geben kann. „Wer ist dafür bekannt, extreme Sache zu machen?", frag ich mich. Achja: Joey Kelly! Der hat schon vier solcher 100 Kilometer-Märsche mitgemacht und auch welche, die 214 Kilometer lang sind. Der Typ ist einfach Wahnsinn, ein krasser Typ.

Den sympathischen Joey hab ich dann auch ans Telefon bekommen und wir haben ein bisschen gequatscht. Eine Aussage ist mir dabei sofort hängen geblieben: „Wenn du im Ziel bist, nach den 100 Kilometern – egal welche Zeit du brauchst – das ist ein unvorstellbares Gefühl. Auch für's Privat- und Berufsleben bringt dir das was, du wirst einfach im Alltag stärker sein. Das ist ein Erlebnis für's Leben."Früh 7 Uhr: Der Hammer-Blick vom Jägerberg

Okay, ich muss echt sagen: DAS motiviert. Genau dieses Gefühl möchte ich auch erleben. Aufgeben will ich nicht, wenn's meiner Gesundheit nicht übermäßig schadet. So sieht das auch Joey: „Aufhören kommt für mich nicht in Frage, außer man ist verletzt oder gesundheitlich angeschlagen. Blasen oder so sind keine Ausreden. Das gehört einfach dazu." Eigentlich kaum zu glauben, aber Joey erzählte mir auch, dass er selbst noch nicht ein einziges Mal aufgegeben hat. Ein super Vorbild für mich.

Jetzt muss ich es nur noch genauso wie Joey Kelly durchziehen und den Marsch überstehen. Nach den letzten Monaten intensivem Training mit vielen Blessuren (auch heute hab ich am Bein von gestern noch einen Hautausschlag vom Schweiß und der Hitze) will ich den Mist jetzt einfach packen! Das würde mich unendlich glücklich machen. Ich weiß aber auch, dass ich dafür richtig hart an meine Grenzen gehen muss. Vor noch einem Jahr wäre es für mich undenkbar gewesen 20 oder gar 30, 40 Kilometer am Stück zu wandern – das kann ich mittlerweile. Und ich muss ehrlich sagen: DAS ist auf jeden Fall jetzt schon ein Teilerfolg für mich.