Michis Monstermarsch – Noch 2 Tage

„Du musst dich von oben betrachten"

Meditieren mit Wanderschuhen: na wenn das nichts wird ;)
Meditieren mit Wanderschuhen: na wenn das nichts wird ;)
Autor: Michael Sieß | Datum: 06.06.2018
Mein Herz pocht ganz schön – aufgeregt bin ich allemal. Übermorgen geht's tatsächlich los mit meinen 100 Kilometern am Stück. Jetzt versuch ich's mal mit Meditation. Kein Witz.

Es ist ein ganz komisches Gefühl – so eine Mischung aus Vorfreude, Aufregung und Anspannung. Übermorgen ist es so weit, dann versuch ich mich an den 100 Kilometern am Stück. Nach monatelanger Vorbereitung bin ich auch mega motiviert – ich will das unbedingt schaffen. Viele haben mir in den letzten Tagen auch geschrieben, Tipps gegeben und Glück gewünscht. Das pusht einen natürlich nochmal ungemein. Aber klar: ich weiß, dass es trotzdem sehr hart wird.

Nach monatelangem Training ist es endlich soweit!

Deshalb bin ich mal zum „Ananda" nach Weimar gegangen. Dort hat mir Theresa Blechschmidt gezeigt, wie man meditiert. Da wollte ich lernen, wie ich meine Gedanken weg vom Schmerz lenken kann. „Versuch den Schmerz von dir abzukapseln. Nimm ihn wahr, aber bewerte ihn nicht. Akzeptier ihn einfach", sagt mir Theresa. Das ist natürlich Übungssache – jeden Tag ein bisschen zu meditieren schadet deshalb nicht.

Man muss sich das so vorstellen: man setzt oder legt sich hin. Und dann: Ruhe, tiefes ein- und ausatmen, man versucht den Kopf auszuschalten und einfach, wie Theresa es sagt: „zu sein". Das Ziel ist, einfach ein bisschen weg zu kommen von äußeren Einflüssen. „Du musst dich von oben betrachten", sagt mir Theresa. Geistig quasi „nach außen" treten. Das hat, glaube ich, auch ganz gut geklappt. Als ich zum Ende der Meditation meine Augen wieder aufgemacht habe, wusste ich gar nicht so richtig, wie lang die Meditation überhaupt ging. Das Zeitgefühl ändert sich und vor allem: es entspannt ungemein.

Die letzten Tage vor der Wanderung habe ich das für mich selbst weiter gemacht. Jeden Tag hab ich mir eine viertel Stunde genommen, um zu meditieren. Ob es an der Meditation liegt oder am Schmerzgel, an der Vorbereitung auf dem Hometrainer, am Quälen auf der Faszienrolle oder einfach an allem: meine Knieschmerzen bin ich tatsächlich – jetzt zwei Tage vor dem Monstermarsch – losgeworden. Das hätte ich ehrlich gesagt niemals gedacht, nachdem ich damit wochenlang zu kämpfen hatte.

Jetzt liegt „nur noch" die Wanderung vor mir. Nach monatelangem Training, einigen Rückschlägen, aber auch sehr vielen positiven Erkenntnissen, die ich über mich selbst gewonnen habe, kann's jetzt (endlich?) losgehen! Gestern kam auch meine bestellte Stirnlampe an, die ich für das nächtliche Wandern brauche. Da hab ich gemerkt: „Okay, jetzt wird's wirklich ernst."

Ich kann's kaum abwarten, auch oder vor allem deshalb, weil ich weiß, dass ich an meine Grenzen stoßen werde.

Michi – jetzt reiß dich zusammen. Dann ist der Lauch-Spitzname Geschichte! ;)