Michis Monstermarsch - Noch 40 Tage

Hände weg von den Waffeln!

Mal wandern mit dem Hochschulsport und schlechter Kamera ;)
Mal wandern mit dem Hochschulsport und schlechter Kamera ;)
Autor: Michael Sieß | Datum: 29.04.2018
Auch wenn's auf dem Bild nicht so aussieht: Heute tut's einfach nur weh. Ich bin geschafft, aber hab's geschafft. 35 Kilometer durch die Kernberge um Jena, das ist dann doch mal 'ne andere Hausnummer. Wie soll ich da bitte 100 schaffen?

Bisher bin ich ja immer eher nicht so anspruchsvolle Wanderstrecken gelaufen. Da war's immer relativ flach, ohne große An- oder Abstiege. Das war dann gestern ein bisschen anders. Zusammen mit ein paar anderen jungen Leuten vom Hochschulsport Jena ging's gestern auf die Strecke, vor der ich mittlerweile echt Respekt hab. Da sind wir nämlich ein Teilstück der Horizontalen gelaufen, die ich Anfang Juni komplett wandern möchte. Und was soll ich sagen? Heute, einen Tag danach, kam ich sehr schwer aus dem Bett, hab überall Muskelkater und weiß jetzt zumindest ansatzweise, was mir da Anfang Juni überhaupt bevorsteht.

Als ich im Internet nach der Horizontalen recherchiert habe, bin ich auf ein Angebot vom Hochschulsport der Uni Jena gestoßen. Die bieten tatsächlich einen Vorbereitungskurs für die 100 Kilometer-Wanderung an. Klingt ja wie gemacht für mich. Und außerdem ist es vielleicht mal ganz cool, zu sehen, wer eigentlich auch so verrückt ist wie ich und das Ding mitwandert. Ich selbst mach's ja zum einen, um meine Grenzen auszuloten, eine richtig heftige Herausforderung mal anzunehmen. Andererseits hat mich meine (durchaus sportlichere) Freundin mitgezogen und schwupps - ich war angemeldet. Von den Anderen habe ich erfahren, dass sie ähnliche Gründe haben. Entweder ist es schlicht die blanke Herausforderung, die einen reizt, oder man wird von irgendjemand anderen da mit reingezogen. Ich fühle mit euch!

Auf den Kernbergen in JenaGestern um 10 ging's dann los. Da haben wir uns alle getroffen - ein zusammengewürfelter Haufen. Mit wir mein ich vorwiegend natürlich Studenten. Ein Teil kannte sich zwar schon, aber trotzdem hab ich dadurch natürlich viele neue nette Leute kennegelernt, die auch das gleiche Ziel mit der 100 Kilometer-Wanderung haben. Gut 6 Stunden unterwegs - da kommt man schon mal ins Gespräch. Wahrscheinlich eine der Vorteile beim Wandern: dass man eben nicht nur raus kommt, die Natur genießen kann, sondern auch nette Menschen kennenlernen kann.

Zum Beispiel war da eine junge Frau dabei, die seit gut einem Jahr in Jena studiert. Warum sie gern wandert, frag ich sie: "Weil es entschleunigt. Du kommt aus dem Alltag, aus der hektischen Stadt mal raus und die Zeit scheint wirklich langsamer zu gehen. Du nimmst dann alles um dich herum auch viel bewusster wahr", sagt sie mir. Da hat sie echt recht. Trotzdem hoff ich, dass die Zeit bei der 100 Kilometer-Wanderung nicht allzu langsam rumgeht. ;)

Nicolas Koerrenz hat die schon hinter sich. Er hat letztes Jahr mitgemacht, organisiert und betreut jetzt diese ganzen Vorbereitungswanderungen. Nicolas ist in Jena ist aufgewachsen und das merkt man auch. Denn er scheint irgendwie jede kleinste Ecke in den Kernbergen zu kennen - jedenfalls hat er diesen Eindruck auf mich gemacht. Also ganz ehrlich: ich allein wär auf der Strecke gestern wohl drei Mal falsch abgebogen. Deswegen an dieser Stelle: danke! ;) Natürlich wollte ich auch von ihm wissen, was mich da Anfang Juni überhaupt erwartet. Klar sei es eine Herausforderung, sagt er: "Es ist vor allem aber auch eine geistige Überwindung. Einfach immer wieder weiterzugehen, sich immer wieder zu motivieren nicht sitzen zu bleiben, vor allem wenn es dann die leckeren Waffeln bei einer der letzten Versorgungstationen gibt." Okay, das sollte ich mir echt zu Herzen nehmen.

Also Michi, merk's dir: Hände weg von den Waffeln!

Von einem der Organisatoren der Horizontalen habe ich mir vor ein paar Wochen auch sagen lassen, dass es unter den Studenten in Jena schon so ein Ding sein soll, zu sagen: "Wenn du in Jena richtig studiert haben willst, musst du einmal die 100 Kilometer-Horizontale gewandert sein." So verkehrt scheint's nicht zu sein, aber Fakt ist auch: dann haben ziemlich viele nie richtig in Jena studiert.

Okay, der Blick war schon geil!Aber zurück zu gestern. Da sind wir also das letzte 35 Kilometer lange Teilstück der Horizontale gewandert. Und ich kann sagen: ach du Kacke. Das war dann doch mal was anderes als die flachen Strecken, die ich bisher gewandert bin. Diese ständigen Auf- und Abstiege zehren ordentlich, aber genau darauf muss ich mich wohl jetzt vorbereiten. Die gibt's ja bei den 100 Kilometern leider ständig. Zudem bin ich so ziemlich zur Hälfte der Strecke umgeknickt, weshalb mein rechter Fuß dann die restlichen gut 20 Kilometer ordentlich geschmerzt hat. Das Problem war vielmehr noch, dass ich mich dann so sehr auf den Schmerz konzentriert habe, sodass mein rechtes Bein anfing zu verkrampfen. Das sollte mir wirklich nicht auf den 100 Kilometern passieren, jedenfalls nicht vor Kilometer 95. Sonst kann ich wohl einpacken.

Aber - das muss ich wirklich sagen - das In-der-Gruppe-wandern war für meine Motivation zumindest echt von Vorteil, gerade nach dem Umknicken. Irgendwie pusht man sich dann gegenseitig weiter. Das hat mir gezeigt, dass ich die 100 Kilometer wohl kaum allein schaffe, sondern ich eine motivierende Stütze brauche. Nur gut, dass meine Freundin dann Anfang Juni mit dabei ist.

Übrigens, für alle, die meinen Blog schon länger verfolgen: "Lauch" werde ich zurzeit gar nicht mehr so oft genannt. Ist das jetzt ein Teilerfolg? ;)