Umstrittener Service bei Erkältungen

Krankschreibung via WhatsApp

Die Krankschreibung per WhatsApp ist umstritten. Foto: Pixabay
Die Krankschreibung per WhatsApp ist umstritten. Foto: Pixabay
Autor: Jeanette Miltsch | Datum: 08.01.2019
Per WhatsApp krankschreiben lassen – das ist tatsächlich möglich! Ein Start-up in Hamburg bietet diesen Service ab sofort an. Ganz legal, aber nicht kostenlos.

Wer kann es nutzen?

Jeder Arbeitnehmer kann, egal ob gesetzlich oder privat versichert, den Service nutzen. Möglich ist diese Art der Krankschreibung, weil im vergangenen Jahr das sogenannte Fernbehandlungsverbot gelockert wurde und Telemedizin in fast allen Bundesländern im Einzelfall erlaubt ist.

Wie funktioniert's?

Wer sich krankschreiben lassen will, beantwortet online einige Fragen. Beispielsweise, ob man Husten hat oder unter Schnupfen leidet. Diese Angaben sowie persönliche Daten wie Telefonnummer und ein Foto der Versichertenkarte werden dann via Whatsapp an einen Arzt übermittelt, der für das Start-up arbeitet. Der Arzt bekommt die Angaben, überprüft sie und stellt dann eine Diagnose aus.

Krankschreibung via WhatsApp. Screenshots: au-schein.de

Was kostet der Service? 

Eine digitale Krankschreibung kostet neun Euro. Allerdings darf dieser Online-Service nur zweimal pro Jahr genutzt werden. Der Arzt stellt keine Krankschreibung aus, wenn er den Patienten aufgrund der angegebenen Symptome einer Risikogruppe zuordnet. In diesem Fall muss der Kranke doch in eine Praxis.

Ist das rechtlich in Ordnung?

Ja. Im Hintergrund stellen echte Ärzte Krankenscheine aus, die man nicht nur per WhatsApp, sondern auch per Post bekommt. Aber: Jedes Attest kann vom Arbeitgeber angezweifelt werden, wenn er einen begründeten Verdacht hat. Auch die Ärztekammer prüft, ob der Dienst wirklich alles richtig macht. 

Kollege Ede Schreiber hat's getestet

"Obwohl ich natürlich völlig gesund bin, hätte ich tatsächlich eine Krankschreibung bekommen. Nach sieben Fragen stand fest, dass ich krank genug bin, um mindestens drei Tage krank zu Hause bleiben zu können. Das System zu überlisten ist denkbar einfach."

Die Vorteile

Fühlt man sich hundsmiserabel und schlapp, muss man sich nicht wegen einer Krankschreibung zum Arzt schleppen und dort gegebenenfalls lange warten und steckt keine weiteren Menschen an. Statt beim Arzt zu sitzen, kuriert man sich im Bett schneller aus. Man kuriert sich vielleicht schneller aus und steckt im Wartezimmer niemanden an.

Die Nachteile

Arzt und Patient sehen sich nicht mehr persönlich. Der Arzt erfährt nichts über den Kranken als das, was über die wenigen Online-Fragen hinausgeht. Einige Ärztekammern raten von der Nutzung des Online-Angebots ab. Unter anderem aus datenschutzrechtlichen Gründen. Außerdem müssen noch die rechtliche Grundlage des Angebots geklärt werden. So könnte es unter anderem sein, dass Arbeitgeber die Krankschreibung gar nicht anerkennen. Hinzu kommt die Befürchtung vieler Arbeitgeber, dass die Zahl der Blaumacher zunimmt.