WhatsUp - Bedingungsloses Grundeinkommen


So habt ihr die Chance auf 1.200€ monatlich

Geldbörse, Foto: pixabay
Geldbörse, Foto: pixabay

Was machen Menschen mit 1.200€ monatlich, die sie ohne etwas dafür zu tun bekommen? Das will eine aktuelle Studie herausfinden und für diese werden noch Probanden gesucht. 

Verändert ein bedingungsloses Grundeinkommen Menschen? Werden sie faul? Ergreifen sie neue Chancen? Machen sie weiter wie bisher? Diese und weitere Fragen will die auf drei Jahre angelegte Studie aus vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), dem Verein Mein Grundeinkommen und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und der Universität zu Köln herausfinden.

Seit Dienstag (18.08.20) können sich Menschen auf einer Seite für dieses Experiment bewerben. Sobald eine Millionen Bewerben zusammen gekommen sind, startet die Auswahl der Kandidaten.

Was meint ein bedingungsloses Grundeinkommen im Allgemeinen?

Es geht dabei um eine Leistung, die jedem Bürger eines Landes zustehen soll, unabhängig von Lebens- und Einkommensverhältnissen und dem Status der Beschäftigung. Also eine Summe X, die regelmäßig ohne Vorprüfungen an alle gezahlt wird, ob reich, ob arm, ob Baby oder Greis. Manchmal ist auch von "Bürgergeld" die Rede.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist steuerfrei, kann sich aber auf andere Sozialleistungen auswirken.

Welche Voraussetzungen müsst ihr erfüllen, um euch anzumelden?

  • Wohnsitz in Deutschland
  • Mindestalter: 18 Jahre

Was bekommt man und wie wird das finanziert?

Die 120 Teilnehmer sollen ab Frühjahr 2021 monatlich für drei Jahre lang je 1.200 Euro erhalten. Finanziert wird dies durch Spenden. Einzige Bedingung ist, während der drei Jahre Studienzeit sieben Online-Fragebögen auszufüllen. Tut man dies nicht, dann gibt es kein Geld mehr.

Außerdem gibt es 1.380 Teilnehmer in einer Vergleichsgruppe, diese erhalten eine Aufwandsentschädigung und die Chance, in die Einkommensgruppe nachzurücken.

Wie kann ich mich bewerben?

Bewerben könnt ihr euch online mit eurer E-Mail-Adresse auf der Seite pilotgruppe-grundeinkommen.de.

Hier geht es zur Bewerbung auf der Seite

Spätestens am 17.11.2020 bekommen alle Angemeldeten eine Mail, ob sie in die nächste Runde kommen oder eine Absage.

In der zweiten Phase werden Menschen ausgesucht, die sich für die Befragung eignen. 20.000 bekommen einen ersten Fragebogen. Diese Phase dauert laut der Studienleiter ca. 2 Monate.

Die dritte Phase entscheidet dann endgültig per Zufall über die Teilnehmer. 120 Personen kommen in die Gruppe, die das bedingungslose Grundeinkommen bekommt. 1.380 in die Vergleichsgruppe.

Die vierte Phase ist dann die eigentliche Erhebung, die 3 Jahre dauert.

Warum macht man das und wie?

Durch regelmäßige Befragungen wollen die Wissenschaftler herausfinden, was dieses Geld mit den Menschen macht und wie sich der Alltag der Teilnehmer verändert. Es geht unter anderem um folgende Bereiche: Arbeitsleben, Finanzen, den Bereich Familie und Beziehungen, soziale Kontakte oder auch auf mögliche psychische Veränderungen.

Neben der Befragungen würden zur Analyse des Stresslevels möglicherweise auch freiwillige Haarproben ausgewertet und freiwillige Tiefeninterviews geführt.

"Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen", sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen. Es gebe zwar bereits weltweit wissenschaftliche Studien zum Thema, aber ihre Erkenntnisse seien begrenzt, sagte Jürgen Schupp, vom DIW Berlin. "Sie sind entweder veraltet, nicht verallgemeinerbar oder untersuchen das Grundeinkommen nur für Erwerbslose. Vor diesem Hintergrund betreten wir in Deutschland mit dieser Studie wirklich wissenschaftliches Neuland".

Das Für und Wider

Diskutiert wird über das bedingungslose Grundeinkommen schon Jahre. Dafür sprechen sich beispielsweise Linke-Chefin Katja Kipping und der Gründer der Drogeriemarktkette "dm" Götz Werner aus. Gegner befürchten, dass eine regelmäßige Zahlung, ohne Bedingung, die Motivation von Menschen bremsen und sie unglücklicher machen würde. Ein weiterer Punkt der Gegner sind die Kosten. Rein rechnerisch würde ein Grundeinkommen von 1000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr kosten. Die gesamten Staatsausgaben liegen bisher laut Statistischem Bundesamt bei knapp 1,5 Billionen Euro im Jahr.

Der Verein Mein Grundeinkommen widerspricht den Gegnern in beiden Punkten: Für die "Faulheitsthese gebe es keine Beweise. In Pilotprojekten weltweit sei genauso weiter oder noch mehr gearbeitet worden. Für die Finanzierung gäbe es verschiedene Modelle.

"Das Grundeinkommen ist im Wesentlichen eine Steuerreform", schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Menschen mit geringen Einkommen hätten dadurch mehr Geld zur Verfügung, die sogenannte Mittelschicht etwa gleich viel und die Reichsten etwas weniger als vorher. "Unterm Strich zahlen diese Menschen dann mehr Steuern, als sie Grundeinkommen erhalten." Mit Hartz IV gebe es zudem auch heute schon eine Art Grundeinkommen - nur sei dieses nicht bedingungslos, sondern sorge für Demotivation, Existenzangst und Misstrauen.

 Alle weiteren Infos bekommt ihr auf pilotprojekt-grundeinkommen.de

Quellen: dpa und pilotprojekt-grundeinkommen.de