WhatsUp - Kritik und Reue


Ramelow zockt Candy Crush in Konferenzen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: dpa
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: dpa
Candy Crush und «Merkelchen»: In einer Talkrunde bei der Audio-App Clubhouse plaudert Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow über die Bund-Länder-Schalten zur Corona-Pandemie - und liefert eine Steilvorlage für Kritik.

Der Linke-Politiker hatte in dem Format der neuen App Clubhouse berichtet, dass er sich bei den oft stundenlangen Ministerpräsidentenkonferenzen mit Kanzlerin Angela Merkel mit dem Smartphone-Spiel Candy Crush entspannt. Das sei kein Aufreger. Es sei auch kein Geheimnis, so Ramelow. Zu späteren Behauptungen, er habe die Kanzlerin in der Talkrunde als «Merkelchen» bezeichnet, sagte er der dpa, es seien Versatzstücke aus dem Kontext gerissen worden.

Das Thema der Clubhouse-Runde sei «Trash und Feuilleton» gewesen. «Wenn man über Trash redet, dann ist es trashig», sagte Ramelow. Wenn man das in einer anschließenden Debatte weglasse, finde er das komisch. «Wenn man daraus eine tiefernste Sache macht, dass es zeigt, wie die Politiker denken, wenn sie privat sind - das finde ich schwierig», sagte Ramelow, der sehr affin für neue Medien ist und ihre unterschiedlichen Kanäle gerne für seine Kommunikation nutzt.

Thüringens CDU-Chef Christian Hirte warf Ramelow Respektlosigkeit und Verantwortungslosigkeit vor. «Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit», schrieb Hirte bei Twitter. Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gehe es um Leben und Tod sowie um Existenzen und die Zukunft einer Schüler-Generation. «Wer sein Amt als Ministerpräsident so versteht, verspielt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger», schrieb Hirte.

Die Thüringer FDP-Fraktion bezeichnete Ramelows Agieren in der Corona-Pandemie als chaotisch. «Ramelow verbringt in den entscheidenden Beratungen seine Zeit lieber mit Daddeln», erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der Thüringer FDP-Fraktion, Robert-Martin Montag.

Ramelow hat sich mittlerweile mehrfach und auf unterschiedlichen Wegen für seine Worte in der Nacht von Samstag auf Sonntag entschuldigt, inbesondere für die Verniedlichung des Nachnamens von Bundeskanzlerin Merkel. Auch in seinem eigenen Kabinett war zu Wochenbeginn Kritik laut geworden. Möglicherweise wird ihn das Thema in dieser Woche weiter begleiten. Er bemüht sich um Schadensbegrenzung.


Clubhouse ist eine Social-Media-App aus den USA, die in Deutschland derzeit einen Hype erlebt. Man kann sich damit an Talkrunden beteiligen, es gibt aber auch geschlossene Gesprächsrunden. Sehen kann man sich in der App nicht, weil es ein Audio-Format ist. Mehr Infos zur App findest du hier.