WhatsUp - Zur Corona-Krise


Fragen an Bodo Ramelow

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: dpa
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Foto: dpa
Thüringens Ministerpräsident Boro Ramelow war am 11.02.2021 zu Gast und hat Fragen zur Corona-Krise beantwortet. Darunter auch Fragen zu Schulen und Kitas. Die gibt's hier zum Nachlesen für euch.

Im Thüringer Stufenplan steht, dass Schulen ab einer Inzident von 100 wieder eingeschränkt öffnen dürfen. Sind bei der Schul- und Kita-Öffnung auch regionale Unterschiede möglich?

Der 100er-Wert gilt für uns als Landesregierung nach wie vor. Wenn die 100er-Schwelle landesweit unterschritten ist, dann muss es mehr Spielraum für Schule und Kindergarten geben. Die Voraussetzungen will und soll der Bildungsminister jetzt schaffen, um nach dem 19.02. die Möglichkeit zu haben, mehr Kinder in die Schulen zu holen. Wir machen uns große Sorgen um die Kinder und wissen von einzelnen Lehrern, sie haben von manchen Kindern seit Wochen schon nichts mehr gehört. Das ist ein alarmierender Zustand und deswegen wollen wir, dass zügig wieder genügend Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen.

Bei den Kitas sind wir aktuell ungefähr bei 45% der Belegung. Es hätten nach Bundesvorgaben nur 20% in der Notbetreuung sein sollen. Das heißt, es bewegt sich schon. Mein Signal ist, wir werden nicht bis zum 07.03. warten, was Schulen und Kitas angeht. Auch nicht bis zum 03.03. Laut Beschluss können die Länder jetzt eigenständig die Weichen stellen. Wir möchten aber möglichst Ende Februar vermeiden, dass es einen Run auf die Schulen gibt. Also auch vermeiden, dass zu viele Eltern wieder gleichzeitig vor der Schule stehen.

Wenn die Schulen wieder öffnen, wie wollen Sie sicherstellen, dass das Versäumte wieder aufgeholt werden kann, vor allem bei sozial benachteiligten Kindern?

Das ist nicht nur eine Frage bei sozial Benachteiligten, bei diesen wirkt es sich nur noch schlimmer aus. Deswegen haben wir bereits entschieden, dass diejenigen, die keinen Kontakt gehabt haben, seit Januar mehr angesprochen werden und mehr in den Schulen in Lerngruppen zusammengefasst werden sollen.
Aber man muss ehrlich sein: Alles, was an Unterricht verloren gegangen ist, wird im gleichen Jahrgang nicht mehr nachzuholen sein. Es wird kein Nachsitzen geben. Wir werden die Lehrpläne und Prüfungsanforderungen so anordnen müssen, dass nichts geprüft wird, was nicht unterrichtet worden ist.

Ist es nicht auch ein Problem, dass sich Schüler fragen, was ihr Abi dann wert ist?

Diese Frage muss man weltweit beantworten, denn diese Frage wird der Jahrgang überall haben. Es ist eine Wahrnehmung, die wir nicht nur in Thüringen haben, sondern die als Sorge überall besteht. Aber wenn das Abitur nach bundesweiten Maßstäben abgelegt werden sollte und prüfungsrelevante Fragen drin sind, die nicht unterrichtet worden sind, dann ist der Schüler nicht daran schuld. Man kann dem Schüler nicht die Verantwortung übertragen und dann einen lebenslangen Corona-Makel auf das Zeugnis brennen.

Warum dürfen 11. Klassen nicht in die Schulen gehen, obwohl Abschlussklassen gehen sollten und dies die Voraussetzung für die 12. Klasse ist?

Die Antwort darauf ist nicht schön, aber ich kann sie nur so nüchtern beantworten, wie wir sie regeln mussten. Wir hatten die Auflage, alle Schulen zu schließen. Wir haben uns am Ende entschieden, dass wieder prüfungsrelevante Klassen wieder in den Unterricht hineinholen, damit sie zur Prüfung vorbereitet werden. Die 11. Klasse steht nicht unmittelbar vor der Prüfung, aber prüfungsrelevante Klausuren sollen auch die Elftklässler machen. Das Problem ist, dass Eltern dann sagen: „Lasst sie unterrichten." Wenn ich sie unterrichten lasse, ist es aber im Höchstmaß ungerecht, dass die 1. Und 2. Klasse überhaupt nicht unterrichtet wird.

Warum stehen die Erzieherinnen in Kitas erst auf Stufe 3 der Impfprioritätsliste?

Das haben die Erzieherinnen gemeinsam mit beispielsweise der Polizei oder auch Politikern, Verantwortungsträgern und Ähnlichen.
Die Begründung der Ständigen Impfkommission, warum die Reihenfolge so festgelegt ist, geht nicht davon aus, wer in welchem Beruf tätig ist, sondern wer welches körperliche Risiko hat. Das körperliche Risiko der 80-Jährigen und über 80-Jährigen ist am höchsten, deswegen sind sie in der Priorität auf Stufe 1. Die nächste Stufe sind die über 70-Jährigen.
Was wir brauchen, ist genügend Impfstoff. Wenn wir genügend Impfstoff hätten, wären alle gleichzeitig dran. Alles was wir bekommen könnten, würde verimpft werden. Für Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerinnen wäre der Impfstoff von Astra Zeneca genau der Richtige. Er ist für unter 65-Jährige und schafft ein hohes Maß an Sicherheit.

Wie ist der Stand zum Einbau von Waschbecken, Desinfektions- und Seifenspendern, Trennwänden, Lüftungsanlagen? Was konnte da gemacht werden?

Dafür gibt es zwei Betrachtungen. Das Eine sind die Desinfektionsstände, Waschbecken, warmes Wasser und Seife. Dafür ist der Schulträger zuständig und ich verstehe nicht, dass es noch Schulen gibt, die das nicht haben. Dafür hätte der Schulträger schon seit 11 Monaten die Voraussetzungen schaffen können.

Die zweite Frage sind die Lüfter und da gibt es ein Problem. Wir haben mittlerweile die technischen Voraussetzungen, aber das Bundesgesundheitsamt sagt noch immer: „Das braucht man nicht."
Im Heinrich-Herz-Gymnasium in Erfurt hat ein Elternsprecher in einem Klassenraum eine einfach verbaubare Lüftungsanlage eingebaut. Ich fand das großartig.
Jetzt haben wir uns verständigt, dies gemeinsam mit der FH Erfurt zu einem Modell weiterzuentwickeln. Diese Anlage ersetzt nicht, was wir zur Luftreinigung brauchen, sondern saugt nur Aerosole ab. Das mindert also nur die Gefahr, schafft aber nicht die absolute Sicherheit. Das heißt, diese Geräte sind immer nur Teil eines Konzeptes, genauso wie Händewaschen und desinfizieren. Da schließt sich der Kreis wieder.

Warum werden leerstehende Räume wie Kinosäle oder Restaurants nicht genutzt, um Kinder mit Abstand zu unterrichten?

Im ersten Lockdown haben wir das ausprobiert und ermöglicht, dort, wo klar war, dass es sich beispielsweise um ein Dorfgemeinschaftshaus handelt. Das Kino gehört jemandem, da muss man sich mit dem Eigentümer absprechen und klären, ob das überhaupt geht. Theoretisch ist das alles möglich, mehr Raum zu schaffen, um bestimmte Unterrichtsformen zu ermöglichen. Man muss aber schauen, dass die Unfallvorschriften auch für die Lehrkräfte und das Betreuungspersonal gesichert sind.